Die Idee zur Besteigung der unspektakulären Roßkopfspitze in der nördlichen Gamsjochgruppe fiel bei der Betrachtung der Latschenhänge vom Gipfel des westlich gelegenen Totenfalk, von dem aus der westsüdwestlich gelegene Gipfel, bzw. deren Anstieg aus dem Laliderertal, recht einladend aussieht. In Kombination mit der Ruederkarspitze und dem Abstieg ins Engertal müsse sich gegenüber den Falken eine interessante, wenig begangene Überquerung machen lassen, bei der nicht viel Höhenmeter anfallen und die weite Anreise auch nicht noch halbwegs des Nächtens erfolgen muß. So die Motivation.

Gamsjochgruppe mit den drei Gipfeln von Norden, Ruederkarspitze links und dahinter rechts die Dreizinkenspitze
Vom Parkplatz P6 im Engertal startet das Abenteuer Roßkopfspitze gegen neun Uhr auf dem zunächst von einem Wasserlauf durchzogenen Steig, dem Normalweg ins Laliderertal.
Nach genau 2,5 km und 130 Hm Anstieg am Almweg schien die Stelle zum Abzweig in den Wald gefunden. Wenn sich dort auch keine Ausweiche auf der Straße befindet, die der AV-Führer nennt, so doch eine leichte Wegverbreitung und ein deutlicher Ansatz einer Forstzufahrt in das abgeholzte Gebiet zur Linken. Diese Stelle erschien sinnvoller für den Weg durch den Wald, als die Verflachung, von dem im AV-Führer die Rede ist und die sich etwa 150 m weiter taleinwärts befindet.
Im Grunde ist es aber egal welche Stelle man nach dem Möserkarbach für den Aufstieg nutzt, denn das Gelände verjüngt sich nach oben hin ohnehin so, dass man mit einiger Orientierungsgabe den Felssporn anpeilt, der sich etwa auf 1.460 m von den mit Unterholz bewachsenen Reisenhängen absetzt. Weiter oben im Wald sieht man ihn dann deutlich und er wird links ansteigend rechts liegen gelassen.
Zunächst geht es aber über den Wald empor, im Falle des Verfassers dieses Berichtes in einem deutlichen Graben und zur Rechten bald eine Schotterreise sichtbar.
An der oberen Mündung des Grabens auf eine schwach ausgeprägte Rippe kann man im Rückblick alte Wegmarkierungen entdecken und folgt den noch vorhandenen Steigspuren auf den mächtig aufsteilenden Hang in lichteres Gelände mit knorrigem Baumbestand, rechter Hand dichtes Latschengelände.
Nach einer Steilstufe von etwa 50 Hm, im lichten Baumbestand lockt eine kleine Lichtung zur Querung des Hangs nach links und kurz nach deren Ende entdeckt man eine schmale Reise, die wie ein Steig anmutet. Dieser folgt man auf eine kleine Rippe von der aus sich bereits der Blick auf das untere Möserkar öffnet und man den Geländeüberblick völlig wiedererlangt hat.
Ein vor längerer Zeit letztmalig ausgeschnittener Steig leitet linkshaltend aus dem letzten Latschenfeld auf die offenen Reisenflächen und auf festen Fels unterhalb der Abbrüche der Nordflanke eines Gratausläufers vom Gamsjoch herab.
Der Steig zum Möserkar verläuft nun durch die Schotterreisen mit Passagen auf reinen Felsflächen und er ist recht gut erkennbar, bzw. kann auch jede andere Route unterhalb der Felswand bis hin zu einer gewaschenen Fläche unterhalb eines Wasserfalls aus dem Möserkar herab genommen werden.
Gegenüber, im Rückblick, das gewaltige Blausteigkar, das eine sagenhaft schöne Begehung des Laliderer Falk erlaubt.

das gewaltige Blausteigkar in der Falkengruppe; es bildet den unteren, bereits nicht einfachen Aufstieg auf den Laliderer Falk
Ab dieser Stelle tritt man wieder in die Latschen ein, geleitet durch den Steig, der dort gut ausgeschnitten ist. Nach wenigen Minuten wird der Bach aus dem Möserkar erreicht, an dem Steigspuren ohne nennenswertem Höhenverlust oder –gewinn in den Graben, der vom Pkt. 1.7891 m (im AV-Führer 14. Auflage 1996 Pkt. 1.784 m) herabziehen soll, leiten.

Blick zur Roßkopfspitze; unterhalb des Wasserfalls; die Rippe mittig im Bild trennt den oberen Möserkargraben vom Möserkar und sie muß bewältigt werden
An der Flachstelle dort, etwa auf 1.580 m, endet der Steig urplötzlich mit dem Übertritt in die Freifläche. Geradeaus, das wäre die Richtung in die der Steig weiterführen sollte, erblickt man einen dichten Latschenwald, zur Rechten eine Felsrippe hinter der der Möserkarbach in schönen kleinen Katarakten auf die Flachstelle zufließt und östlich oberhalb die Felsriegel auf den Verbindungsgrat zwischen Roßkopfspitze und Ruederkarspitze. Nicht erkennbar ist allerdings ein weiterer Steig zum vorgenannten Graben.
Um einen besseren Überblick zu bekommen wurde die kleine Felsrippe zur Rechten bestiegen, die einen Höhenunterschied von etwa 10 m bot. Allerdings vergebens, denn jenseits des Baches ließ sich kein Steigverlauf, auch keine weiterführende Latschengasse ausmachen.
Also mußten die lichten Einschnitte durch die Latschen zu Fuß erkundet werden und der Verfasser überschritt den Bach mit dem Versuch eine Stelle zu finden, die das Durchkommen bis zum Graben ermöglichte. Die Distanz zum Graben beträgt von der Freifläche etwa 150 m und es wäre gelacht, fände man keine Passage.

Blick ins Möserkar (südöstlich) vom Ende des Steiges; es gibt ein Bächlein rechts und eines links der Rippe am Steigende
Nun sei hier vorweggenommen, daß alle Versuche eine Passage zu finden vergebens waren. Immer wieder leiteten Latschengassen steil hangabwärts, die dem Verlauf gemäß Karte nicht entsprechen konnten und auch bald in dichten Versperrungen endeten.
Also zurück auf die Felsrippe um eine Umgehung oberhalb zu erkunden. Dort sah es so aus, daß ein signifikanter Bogen im Schuttreisenfeld unternommen werden müsste, um unterhalb dem Felsriegel wieder Richtung Graben an Höhe zu verlieren und gegebenenfalls im Steig zu enden, den der Betrachter in Form von dürren grauen Ästen auf einer steilen Passage im Felsriegel auszumachen glaubt. Eine andere Möglichkeit schien es oberhalb nicht zu geben und auch diese Passage entspricht ganz und gar nicht den Steigmarkierungen in der Karte.
Nachdem aber der dem Menschen innewohnende Erfolgsdrang nicht locker ließ wurde die sozusagen „Übersteigung“ des Latschenhanges unternommen. Hierzu diente eine nasse Felsfläche in der Südostecke der Freifläche und der Möserkarbach diente am Weg als letztmalige Wasserstelle am schwülen Julitag.
Tatsächlich fanden sich Steigspuren durch das Unterholz, die sich auf die steile Reise hin auch gleich wieder verflüchtigten, also nur ein Gamsdurchschlupf. Die Reise muß man etwa 50 Hm aufsteigen, bis am oberen Ende, zwischen ihr und den Felsen, ein Durchkommen durch die Latschen möglich ist, um im Anschluss daran diese Steigarbeit fast völlig wieder zu verlieren. Schon beim Aufstieg widerstrebte diese Variante dem Gefühl des Verfassers, aber eine andere Möglichkeit schien es nicht zu geben.

Querung unterhalb der Felsen nach mühsamem Aufstieg auf der Reise; links der Bildmitte kann man den Unterbruch der Latschen erkennen, der von weiter entfernt wie ein gehauener Steig aussieht
In der Nähe der dürren Latschen stellte sich nun heraus, daß diese in dem steilen Gelände keine Passage zum Graben sein konnten, denn sie markierten eigentlich nur beginnenden Kletterfels anstelle eines ausgeschnittenen Pfades. Dies hätte auch schon mit dem Fernglas vom Bach aus erkundet werden können, allerdings hätte man dann die Passage oberhalb des von Latschen eingekesselten Verfassers nicht einsehen können und so die Tour vielleicht abgebrochen.

Rückblick auf das Steigende und die mit den beiden Bächen umströmte Rippe im oberen Bildteil in Bildmitte
In allen Richtungen am Durchkommen im Steilgelände gehindert schien nun die einzige Möglichkeit ein steiler Hang oberhalb des Standplatzes, der von zwei Felsstufen durchzogen war, die kletterbar erschienen. Eine völlig absurde Idee den Steig über diesen felsdurchsetzten Einschnitt zu suchen war der erste Gedanke, er war aber auch gleich verworfen, da dies nun die einzige Möglichkeit darstellte den Aufstieg fortzusetzen.

die einzige Möglichkeit aus der eingekesselten Lage weiter zu kommen besteht im Durchstieg dieser Felsmulde
Da ein Nachteil auch meist einen Vorteil in sich birgt konnten bei Durchstieg zwischen den abschüssigen Felsen auch geometrisch extrem schön geformte Faltenbildungen der Felsen gesichtet werden. Einem Rundgewölbe gleich präsentierten sich Schichten auf Schichten von recht kompetentem Kalk der Reichenhall Formation und bewegten den Verfasser zu einem gewagten Bild im Felsgelände.
Über die Stufen ließ es sich leicht steigen und zuoberst leitet ein begrüntes Band unterhalb eines leichten Überhangs in gebückter Haltung auf flacheres Gelände über.
Die Spannung war groß welche Erkenntnis der Blick nach der Steilstufe wohl bringen würde und leider war selbiger eher enttäuschend, da nichts außer mehr als mannshohe Latschen die Sicht auf das unmittelbare davor liegende Gelände versperrte.
Hinabgeblickt in Richtung Ende des Steigs beim Bach war nun klar, warum man den Einschnitt als Aufstiegsmöglichkeit nicht einsehen konnte, eine Felsnase deckt die Sicht zur Gänze ab.
Allerdings, und das ließ eine letzte Hoffnung aufkeimen, befindet sich zur Linken eine kleine freie Fläche von wenigen Quadratmetern, die einen Blick auf den unweit entfernten Graben zuließ und diese paar Schritte stellten die entscheidende Erkenntnis dar, daß es eine Schneise zum Graben geben muß.
Tatsächlich konnte man eine zwar verwachsene Gasse erkennen, die nicht so dicht ausgeprägt anmutete als das mächtige Latschenfeld in Hangrichtung. Also wurde ein Durchstieg versucht und nach ein paar Metern traf der Verfasser auch den Beweis für einen alten Pfad an, als mehrere gesägte Stirnflächen von dicken Latschenästen den Weg zum Graben wiesen. Der Durchstieg war geschafft und käme man von oben zeigte eine auffällig hohe Lärche den Einstieg zur Latschengasse etwa 20 m unterhalb an.
Hinter dem Latschenfeld leitete eine hohe Grasflanke zum Wasserlauf in den Graben hinab in dem sich – als nächste Verwunderung bei diesem Abenteuer – bei einer Gabelung zweier Wasserläufe, ein recht gediegener Steinmann befand. Der Steinmann zeigte allerdings die weitere Aufstiegsrichtung nicht an und dürfte wohl über einige Jahrzehnte seinen obersten Richtungsstein eingebüßt haben.
Da er aber eindeutig auf der linken Seite der Gabelung errichtet wurde, sollte dies wohl die Steigrichtung markieren. Nach einigen Metern im hohen Gras verwarf der Verfasser den Aufstieg durch den mit viel Unterholz gesäumten Graben, der auch in Teilflächen abgebrochen erschien und setzte den Aufstieg im kleineren aber mit kaum abgebrochenen Hangschotterflächen geprägten steilen Hang rechts der Gabelung fort. Dies mit dem noch unbekannten Ausgang etwas zu weit rechts (südlich) des Pkt. 1.789 m am Gratrücken anzukommen).
Mittlerweile, nachdem auch die Wegfindung ab dem Möserkarbach mehr als eine Stunde in Anspruch genommen hatte, war die Mittagsstunde angebrochen und die Hitze in den Latschengassen, kombiniert mit dem anstrengenden Aufstieg durch die steilen Grasflächen erreichten ein schwer erträgliches Ausmaß.
Wie erwähnt erreichte der Verfasser den Ausgangspunkt zur Roßkopfspitze zu weit südlich und mußte – rechtzeitig, mit moderatem Höhenverlust – leicht unterhalb der Gratlinie nördlich queren. Am Weg dorthin und auch im Aufstieg zur Roßkopfspitze in weiten Abständen gelbe Stoffbänder als Wegmarkierungen an Latschenästen.
Endlich im Schatten der knorrigen Tannen auf Pkt 1.789 m öffnet sich nach Osten in das Engertal der schauerliche Blick in den Großen Totengraben, eine alte Erosionsschlucht, wie Otto Ampferer sie beschreibt, gefüllt mit ockerfarbenen Rauhwacken der Reichenhaller Schichten.

der Steigverlauf auf die Roßkopfspitze gleicht einem Gamssteig und war vielleicht einmal ein solcher
Ein brüchiger Graben mit instabilen seitlichen Begrenzungen, der direkt vom Grat bis in die flacheren Hangteile ins Engertal hinabfällt und mit allerlei Türmchen und Rippchen gespickt ist. Alles in allem kein homogener Fels und mit wenig Festigkeit, an die meist nördlich vorgeschobenen Raibler Schichten im Karwendel erinnernd.
Von diesem markanten Punkt – der bei weitem nicht die Ausdehnung besitzt die uns die Höhenschichtlinien der AV-Karte Glauben mach will – führt ein wilder Steig auf die 220 Hm höher liegende Roßkopfspitze.
Wild möge so verstanden sein, daß der Aufstieg eher vielen hintereinander geschalteter Gamswechsel gleicht, als einem normalen Steig von Bergsteigerhand geschaffen. Die Vermutung liegt nahe, daß Jäger hier die Tierpfade etwas ausgebaut haben, um menschliches Durchkommen zu gewährleisten.
In einigem Auf und Ab geht es unter ungeschützt unter Sonne in stehend schwüler Luft steil bergauf, durch Latschenhöhlen hindurch und wieder in Schuttrinnen in Falllinie zwischen Latschenstreifen hindurch. Sehr mühsame 220 Hm sind hierbei zu bewältigen und erst im oberen Teil lichtet sich das Unterholz hin zu freien Schrofenflächen.
Der letzte langgezogene Sattel vor dem markanten Gipfelaufbau der Roßkopfspitze wird ostseitig umgangen und hierzu ist am vorderen Hochpunkt des Sattels ein kurzer Abstieg nach rechts erforderlich, der, wenn man ihn übersieht im Kampf gegen die Latschen auf der Ostseite am Sattel endet.
Die direkte Linie auf den Gipfel der Roßkopfspitze besteht in der Fortsetzung der Gratlinie über eine breite Rinne sehr steil empor (II+) bis zur Abflachung gegen das Gipfelplateau hin, der leichtere Aufstieg besteht in der westseitigen Umgehung des Kamms in etwas weniger steilem Schrofengelände. Erstere Variante mit Kletterei lohnt für den Aufstieg, letztere für den leichteren Abstieg.
Ein Gipfelsteinmann mit Gipfelbuchschachtel in Plastikbehälter erwartet den Bezwinger der Roßkopfspitze. Das Buch aus dem Jahre 1987 hält bei der durchschnittlichen Besucherfrequenz seiner ersten Tage bis dato noch etwa 200 Jahre.

Plumssattel, Bettlerkarspitze und Schaufelspitze im Osten
Faszinierend von der an sich niederen Roßkopfspitze ist der Talblick, der durch ihre, von West bis Ost, durchgehend sehr steil abfallenden Wände dem Gipfel eine besondere Höhe zu verleihen scheint und ein nicht minder spektakuläres Bild vom Tal von Osten zeigt ihren schroffen Bau sehr deutlich.

Sonnjoch, Hochnissl, Lamsenspitze, Hochglück und rechts Ruederkarspitze
Ähnlich den niederen Falkengipfeln bietet der Blick gen Süden ein tolles Panorama der Karwendelhauptkette, allerdings mit weit weniger Abdeckung durch die vorgelagerten Berge.
Auffallend auch dem geologisch wenig Interessierten ist der unterschiedliche Bau der Ruederkarspitze (geschichteter Muschelkalk) gegenüber dem Gamsjoch (massiger Wettersteinkalk). Die großen Schneefelder am Felsfuß im Nordschatten des Gamsjochs werden sich wohl bis in den Hochsommer zu halten vermögen.

einzigartiger Blick auf Karwendelhauptkette und Falkengruppe mit den markanten Sonnenspitzen und Kaltwasserkarspitze sowie der knapp noch hinter dem Steinfalk zu sehenden Birkkarspitze
Der recht verschleißende Anstieg mit seinen bis jetzt gemeisterten Tücken erforderte doch tatsächlich viereinhalb Stunden, weswegen nun Eile geboten war, um die Ruederkarspitze noch zu absolvieren.

Falkengruppe im Westen (Steinfalk, Laliderer Falk, Risser Falk im Hintergrund, Turmfalk und Totenfalk, der Kleine Falk hinter dem Totenfalk nicht sichtbar)
Die Hitze in den Latschen am Abstieg erforderte nach dem Tiefpunkt 1.789 m eine kurze Pause bei der selbst bei bester Erinnerung an den Blick vom Gipfel an die freien Latschengassen eine Orientierung im Gelände nicht mehr nachvollziehbar war. Tendenziell steigt man nach der Scharte zu wenig rasch zum Gratrücken auf, höchstwahrscheinlich unter falscher Einschätzung der Ausdehnung des Großen Totengrabens.
So mußte der Aufstieg über die kleinen Felsrippen noch auf der Westseite des Gratrückens führen und zusätzliche Anstrengung bedingen. Anschließend konnte unter viel Schweiß und Blessuren an Schienbein und Unterarm der Durchstieg durch die hohen Latschenfelder auf die Ostseite des Rückens gefunden werden, jedoch mit der Aussicht, daß das große freie Feld an seiner oberen Begrenzung wieder in einem dichten Latschengürtel endete, ein verzweifelnder Kampf mit kraftraubenden Passagen im schweren Unterholz.
Nach einer guten Stunde war der Gratkopf Pkt. 1.972 m (nur in AV-Karte) um 14:36 erreicht und der Bezwinger in ausgemergelter Verfassung mit aufgekratzten Schienbeinen, schweißgebadet und ohne nennenswerten Trinkvorrat. An dieser Stelle muß dem AV-Führer entschieden widersprochen werden, der den Aufstieg von Pkt. 1.789 m auf die Ruederkarspitze mit einer Stunde angibt. Das wäre möglich, jedoch nicht unter vorgenannten Bedingungen.

Blick zu Pkt. 1.972 m von ungünstigem Aufstieg an der Westflanke – es empfiehlt sich hier – rückblickend gesehen – eher gleich nach Pkt. 1.789 m ein Wechsel durch die Latschen auf die Ostseite (nach respektablem Abstand zum Großen Totengraben)
Die Wetteraussichten auf den Spätnachmittag waren mit Gewittern beschrieben und der Rückweg zum Parkplatz auf der Engerstraße über den unbekannten Abstieg und guten drei Kilometern Fußmarsch auf der Straße ließen die Entscheidung nicht schwerfallen, die Ruederkarspitze ein andermal zu absolvieren und noch bei gutem Wetter den Rückweg anzutreten.
Mit einem letzten Blick auf den schönen Schichtenbau der Ruederkarspitze und auf die aufgesetzt scheinende Gipfelkuppe der Roßkopfspitze verließ der Verfasser nahe dem Pkt. 1.972 m in Richtung Engertal, um die Steigspuren zu finden, die sich erst auf etwa 1.700 m einstellen wollten.
Die obersten Schrofen mögen im hohen Gras sorgsam beschritten werden, sie sind sehr steil und bei Nässe heikel.
Weiter unten am wirklich erlebenswerten Steig erfährt man urtypisches Karwendelerlebnis über archaische Passagen mit großer Steilheit, verschlungener Routenführung durch die abwechslungsreiche Vegetation und an einer markant gebogenen Lärche (1.585 m) einen guten Einblick in den gewaltigen Großen Totengraben.

an dieser markanten Lärche bietet sich ein atemberaubender Blick in die Schlucht des Großen Totengraben hinein
An der Grenze zwischen dem festen alpinen Muschelkalk und den Reichenhall Formationen zieht der teilweise sehr undeutlich ausgeprägte Steig im Graben weiter abwärts, immer recht steil und in kleinen Serpentinen.

Großer Totengraben mit beigen Rauhwackentürmen mittig; links oben Pkt. 1.789 m und rechts die Roßkopfspitze
Im engen Graben begegnet man großen Ausbuchtungen (Gufeln) und für das Karwendel untypischen großen Felsblöcken, die von Felsstürzen herrühren, besonders im unteren Teil des sich zur Schlucht ausformenden schmalen Grabens, zwischen 1.300 und 1.400 m.
Auf 1.300 m quert man aus dem Graben nach rechts und umgeht eine von links aufsteigende und nach rechts senkrecht abfallende Felsschuppe durch den Wasserlauf hindurch, mit einem kurzen Gegenaufstieg jenseits (undeutlich platzierter Steinmann). Damit werden die steilen Schluchtpassagen hinab zum Tal vermieden.
Die senkrechte Felswand zur Linken werden die letzten 175 Hm zur Straße im Engertal abgestiegen und zuletzt pfadlos durch den Wald und über die abgezäunte Wiese auf die Straße zurückgelegt. Von dort geht es 3,2 km talauswärts bis zum Parkplatz P6.
Für diese Tour möge man nebst Abenteuerlust eine ausgeprägte Orientierungsgabe, sowie – für die langen Partien in den Latschen im Hochsommer – genügend Wasser und keine Gewittervorhersagen am Nachmittag mitbringen, oder entsprechend früh losziehen.

Überquerung Gamsjochgruppe vom Engertal aus gesehen; links Ruederkarspitze, rechts Roßkopfspitze, dazwischen Pkt 1.972 m und Großer Totengraben
An Zeit sind für die abenteuerliche Runde 7:30 Stunden angefallen, die Streckenlänge beträgt knapp 12 km und der gesamte Aufstieg incl. der zahlreichen Suchen von Pfad und Durchkommen etwa 1.400m.
Mils, 24.07.2021
1 In diesem Bericht wird die Höhe des Punktes 1.789 m gemäß der AV-Karte Stand 2000 verwendet
- Route Roßkopfüberquerung westseitig
- Abmarsch von der Risstalstraße
- Gamsjoch erstmal sichtbar von der Almstraße
- von der Laliderertalstraße abzweigender Stich in den Wald
- sich abflachende Laliderertalstraße
- Rückblick zur Laliderertalstraße
- Blick in Aufstiegsrichtung – Graben im linken Bilddrittel erkennbar
- Markierungen auf der Rippe im Rückblick
- die Rippe in Aufstiegsrichtung geht gleich in den steilen Hang über
- Lichtung im Hang am Aufstieg
- Steigspuren auf einer schmalen Reise nach deutlicher Linksquerung im Aufstieg
- Anstieg zum Sattel Pkt. 1.789 m sichtbar
- letzter kurzer Abschnitt auf Steigspuren im Wald
- über Latschen zur Reise
- Rückblick auf der Reise – links das markante, von der Laliderertalstraße aus sichtbare, Felsspitzl vom Gratausläufer vom Gamsjoch
- das gewaltige Blausteigkar in der Falkengruppe; es bildet den unteren, bereits nicht einfachen Aufstieg auf den Laliderer Falk
- auf Steigspuren in die Latschengürtel unterhalb des Sattels zwischen Roßkopfspitze und Ruederkarspitze
- Felswände der Nordflanke des Gratausläufers vom Gamsjoch
- auf Reisen- und Felsflüchen zum Möserkargraben
- Blick zur Roßkopfspitze; unterhalb des Wasserfalls; die Rippe mittig im Bild trennt den oberen Möserkargraben vom Möserkar und sie muß bewältigt werden
- Rückblick zum Wasserfall aus dem Möserkar
- die letzten Meter auf den Steig durch die Latschen
- die hinderliche Rippe im Detail am Ende des Steiges
- oberer Teil der Rippe
- Blick ins Möserkar (südöstlich) vom Ende des Steiges; es gibt ein Bächlein rechts und eines links der Rippe am Steigende
- freie Fläche gegenüber dem Möserkarbach
- Rückblick von der Rippe auf das Steigende; die Rippe führt nicht weiter zu Pkt. 1.789 m
- tolle Farben in den Katarakten des Bächleins links (in ansteigender Richtung) der Rippe
- Gelände des Möserkars hinter der Rippe
- hier unten müßte lt. AV-Karte der Steig weiterführen
- letzte Möglichkeit Wasser zu fassen unterhalb der Katarakte
- Versuch des weiteren Aufstiegs über die Südostecke der freien Fläche /links der Katarakte
- plötzliche Steigspuren, die sich hinter den Latschen wieder verflüchtigen – also nur ein Gamswechsel
- Querung unterhalb der Felsen nach mühsamem Aufstieg auf der Reise; links der Bildmitte kann man den Unterbruch der Latschen erkennen, der von weiter entfernt wie ein gehauener Steig aussieht
- Rückblick auf das Steigende und die mit den beiden Bächen umströmte Rippe im oberen Bildteil in Bildmitte
- die einzige Möglichkeit aus der eingekesselten Lage weiter zu kommen besteht im Durchstieg dieser Felsmulde
- bilderbuchhaft schöne Faltenbildungen im Reichenhaller Kalk
- Aufstieg in der Mulde über abschüssige Bänder in Felsstufen
- Rückblick auf die Rippe unten (gerade noch links der Bildmitte sichtbar)
- Möserkar
- Pkt. 1.789 m hinter der hohen Lärche sichtbar
- Zeichen einer alten Ausholzung, die fast völlig wieder zugewachsen ist
- Durchstieg durch die alte Gasse auf die Freifläche zum oberen Möserkargraben
- oberer Möserkargraben
- der Aufstieg zu Pkt. 1.789 m wurde rechts gewählt
- obwohl das Steinmandl bei der Gabelung der Wasserläufe links in Steigrichtung errichtet wurde
- Ankunft etwas zu weit südlich von Pkt. 1.789 m, im Hintergrund die Roßkopfspitze
- Am Weg dorthin durch Latschengassen Zeichen von Markierungen mittels Stoffstreifen (weiter oben eine zweite Stelle gleich markiert)
- kurz vor Pkt. 1.789 m Richtung Nord, zur Roßkopfspitze
- Tiefblick in das Laliderertal mit dem gewaltigen Laliderer Falk kurz vor Pkt. 1.789 m
- Großer Totengraben im Osten von Pkt. 1.789 m
- der Steigverlauf auf die Roßkopfspitze gleicht einem Gamssteig und war vielleicht einmal ein solcher
- hanggegenüber der Ansteig zu Pkt, 1.972 m und der Ruederkarspitze
- Gipfelaufbau der Roßkopfspitze vom langen südseitigen Sattel
- Rückblick auf das steile Aufstiegsgelände
- direkter Aufstieg zur Roßkopfspitze über eine Kletterfelsmulde
- der lange Sattel – mit kurzem Abstieg ostseitig einfach zu umgehen
- Roßkopfspitze, 2.015 m
- Unterer Roßkopf, 1.814 m und Risstal dahinter
- Plumssattel, Bettlerkarspitze und Schaufelspitze im Osten
- Sonnjoch, Hochnissl, Lamsenspitze, Hochglück und rechts Ruederkarspitze
- Gamsjochgruppe mit den drei Gipfeln von Norden, Ruederkarspitze links und dahinter rechts die Dreizinkenspitze
- späterer mühsamer Aufstieg von Pkt. 1.789 m auf Pkt. 1.972 m durch die Latschengürtel
- einzigartiger Blick auf Karwendelhauptkette und Falkengruppe mit den markanten Sonnenspitzen und Kaltwasserkarspitze sowie der knapp noch hinter dem Steinfalk zu sehenden Birkkarspitze
- Falkengruppe im Westen (alle Gipfel hier beschrieben)
- Markierung mit Stoffband, an dieser Stelle durch die Latschengasse rechts nach oben
- Blick zu Pkt. 1.972 m vom Beginn des Aufstiegs gesehen
- Rückblick auf den Aufstieg zur Roßkopfspitze
- Blick zu Pkt. 1.972 m von ungünstigem Aufstieg an der Westflanke – es empfiehlt sich hier – rückblickend gesehen – eher gleich nach Pkt. 1.789 m ein Wechsel durch die Latschen auf die Ostseite (nach respektablem Abstand zum Großen Totengraben)
- auf Pkt. 1.972 m angekommen und bereits in den Osthang übergewechselt; rechts Ruederkarspitze
- Plumsjoch gegenüber und dahinter Seebergspitze (10 km)
- Gipfelaufbau Roßkopfspitze
- Bettlerkarspitze links, Schaufelspitze rechts und der etwas knifflige Abstiegsrücken von der Schaufelspitze
- Ruederkarspitze und Gamsjoch rechts
- Abstiegsgelände mit Engertal in der Tiefe
- Rückblick auf die ersten schrofendurchzogenen Abstiegsmeter
- bis dorthin waren Steigspuren nicht richtig sichtbar, ab dort beginnt eine schwache Gasse im hohen Gras
- Talblick von einer Felsenstelle mit Quelle zum Wasserfassen
- durch eine im Aufstieg mühsame und imposante Steilstufe hinab
- der schmale Steig zieht sich nordöstlich zum Großen Totengraben hin
- an dieser markanten Lärche bietet sich ein atemberaubender Blick in die Schlucht des Großen Totengraben hinein
- weiterer Steigverlauf in einer zum Gr. Totengraben parallelen Muldung, die sich unten zur Klamm ausbildet
- Großer Totengraben mit beigen Rauhwackentürmen mittig; links oben Pkt. 1.789 m und rechts die Roßkopfspitze
- schöne Felaabbrüche und Gufeln in der Klamm am Abstieg
- die kleine Klamm mit sichtbarem Steig
- Felsschuppe im untersten Teil die links liegen gelassen wird
- kleiner Gegenaufstieg auf die rechte Hangbegrenzung mit kaum sichtbarem Steinmandl
- letzter Absteigsteil mit Engertal und links der Senkrechtabbruch der Felsschuppe
- Rückblick am Ankunftspunkt auf der Engertal Straße
- Überquerung Gamsjochgruppe vom Engertal aus gesehen; links Ruederkarspitze, rechts Roßkopfspitze, dazwischen Pkt 1.972 m und Großer Totengraben