Die Trattenspitze, 2.565m, ein lohnendes Frühjahrsziel mit mittlerer Höhe und daher meist schon im Mai begehbar. Allerdings liegt an den wichtigen Stellen heuer noch mehr Schnee als ich erwartet habe und empfehlenswert – zur sicheren Begehung – dürfte sie erst in zwei Wochen sein. Eine genaue Beschreibung mit Höhen- und Zeitangaben gibt es bei mir hier.
Vom Anstieg zum Hundskopf aus hat der Grat heute weitgehend eher schneefrei ausgesehen. Ein Trugschluß, wie so oft bei Eindrücken vom Tale aus.
Die nördliche Route um den Hundskopf herum ist ab der Abzweigung noch voller Schnee und die ersten Steilpartien des Weges wollte ich nicht erstbegehen, zu viel Schnee mit zu großer Hangneigung und keine Sicherungsmittel. Also ging es zweimal über den Hundskopf drüber.

die Tratten vom Hundskopf aus; gleich in der ersten Verschneidung am Weg zur Trattenspitze noch ein mächtiges Schneefeld
In der Rinne ist das Seil schon frei, aber man bedarf es nicht, es geht bequem mit Stufen schlagen durch die Rinne. Das Schneefeld im oberen Teil meidet man indem man seiner rechten Begrenzung folgt und oben zum Normalweg quert.

nach 30min nach der Mannl- und Weibele Scharte kommt man in den Gratbereich mit teils noch kräftigen, meterhohen Wächten
Ab hier geht ohne Gamaschen nichts mehr, will man trockenen Fußes weiterkommen. Der Schnee ist um die Mittagszeit ein Sulz in dem man mindestens 40cm einsinkt.
Die Stellen die Fels vom Schnee umgrenzt werden sind tückisch. Sind sie nicht steil sondern eher flach hat sich im Schmelz- und Gefrierbereich rund um den Fels herum Eis gebildet, das man nicht erwartet und das auch rutschig ist. Man sieht es nicht, es liegt unter der Schneedecke.
Kurz vor dem kleinen Sattel zwischen Bockkarlturm und Trattenspitze erwartete mich das Highlight der Tour. Ein Fassadensims Fels gebildet aus dem Fels am Grat und einer noch mächtigen Wächte, die den größeren Teil des Grates für sich beanspruchte zwang mich an die Kante der abfallenden Südseite und lies mir kaum noch Körperbreite zum Aufstieg. Bei queren bergauf bekam ich somit von herabrinnendem Schmelzwasser die rechts Seite abgeduscht und beim Rückzug die linke Seite.
Abschließend zum kleinen Sattel bildeten einige kleine Klettereien am aperen Fels eine willkommene Abwechslung die Bergschuhe aus dem Sulz zu bringen. Der letzte Übergang mit einem atemberaubenden Gratstück von ca. 10m Länge und zu beiden Seiten Schluchten, die man nicht gerne befahren möchte.
Der letze Aufstieg von ca. 50Hm ab dem Sattel schien mir zuerst als noch recht gefährlich ob der Schneelage. Nach detailliertem Studium der Route machte ich mich auf und stieg über die nicht ungefährliche Wächte im Sattel in den Gipfelaufbau ein.
Die einzigen Werkzeuge waren meine einteleskopierten Stöcke und diese erwiesen sich als wenig hilfreich im weichen Sulz. Doch die Strecke bis zu den ersten aperen Felsen war kurz und der Rest bis auf den Gipfel konnte in leichter Felskletterei – ohne in die drohende abfallende Nordwand einsteigen zu müssen – in Routinearbeit erledigt werden.
Das Gipfelkreuz ist gut 2m tief mit Schnee umgeben und die Gipfelbuchschachtel war noch nicht freigeschmolzen. Dadurch habe ich es leider ziemlich ganz durchnässt vorgefunden, es zeigte Schimmel und ich habe es aus dem Plastiksack befreit sowie es nicht wieder darin verstaut. Die GB-Schachtel habe ich vom Schnee freigelegt und es bleibt zu hoffen, daß das Buch mit der Temperatur und dem Wind trocknet und die Schachtel heuer nicht mehr unter einer Schneedecke liegen wird.
Zur rechten (westlich) zeigt der Grat noch eindrucksvolle Barrieren aus Schneewächten, die Fürleg-Runde muß somit noch mindestens eineinhalb Monate warten.
Der Blick von oben wie immer gewaltig in alle Richtungen. Am Aufstieg sieht man die noch unter viel Schnee liegenden Nordhänge der Kette (das Foto zeigt den Bockkarlturm und die gelbe Störzone desselben im Hintergrund).
Die Route ist nicht zu unterschätzen vom Zeitbedarf her. Ab dem Hundskopfgipfel bis zum Erreichen des Gipfels werden bei solchen Verhältnissen rund eineinhalb Stunden benötigt.

Autor auf der Trattenspitze (schlimm solche Fotos und wenn möglich zu vermeiden, ich glaube sie heißen „selfish“)
Der Rückzug bis zum Sattel hinab ist gut machbar, da er eben – entgegen der Sommerroute – am direkten Grat erfolgt. Die letzten 8-10m ist man gut beraten in Falllinie über der breiten Wächte zu steigen.
Aber auch der Abstieg über den Grat bietet die selben Herausforderungen wie der Aufstieg und die Spannung ist man dieser Tage erst los, wenn man sich auf halbem Weg in den Tratten der Gamaschen entledigen kann.
Mils, 22.05.2016
- Trattenspitze links und Hundskopf rechts
- die Tratten (Grat rechts) und die Trattenspitze
- die Tratten vom Hundskopf aus; gleich in der ersten Verschneidung am Weg zur Trattenspitze noch ein mächtiges Schneefeld
- deutlich ist der lange, schneebedeckte Teil des Grates zu sehen
- nach 30min nach der Mannl- und Weibele Scharte kommt man in den Gratbereich mit teils noch kräftigen, meterhohen Wächten
- die mächtigste Wächte am Grat
- Highlight am Grat; Wächten mit schmalem Band zum passieren
- rechts steiler abfallend als es hier aussieht
- weiterer Gratverlauf
- letzes Gratstück vor dem Sattel
- die Wächte unten und die ersten 10m waren das Schlüsselstück bei der herrschenden Schneelage
- Gipfelaufbau Trattenspitze 22.05. 2016
- Trattenspitze 22.05.2016
- Blick zur Walderkampspitze
- Blick auf den Hundskopf
- Trattenspitze mit Hinterhornalm
- Blick zum Hundskopf
- Aufstiegsroute großteils über die Felskante
- Grat zur Walderkampspitze
- Autor auf der Trattenspitze (schlimm diese Fotos und wenn möglich zu vermeiden)
- in Mitleidenschaft gezogenes Gipfelbuch der Trattenspitze
- freigelegte Gipfelbuchschachtel
- Blick gen Süden, vorne der Glungezer, hinten der Olperer
- Gratverlauf beim Abstieg
- Trattenspitze vom Hundskopf aus am 22.05.2016 um 15 Uhr